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altes reparieren statt neues kaufen!

Betül Ezer führt eine Änderungsschneiderei in der Gollierstraße im schönen Westend. Eigentlich ist Betül gelernte Zahntechnikerin.

 

Aber da im Betrieb ihrer Eltern die Arbeit immer mehr wurde und die eigenen Eltern ja bekanntlich nicht jünger werden, zögerte sie nicht lange, nahm Nadel, Faden und Zepter in die Hand und leitet seitdem die kleine Näherei. In der Näherei ist sie quasi aufgewachsen und hat schon als Jugendliche fleißig mitangepackt.

 

Netterweise hat sich Betül die Zeit genommen, uns ein paar Fragen zu beantworten, wie sich die Anforderungen an die Reparatur von Kleidung im Laufe der Jahre verändert haben.

Hallo betül, schön, dass du dich mal von der nähmaschine hast weglocken lassen...

... sag mal, seit wann betreibst Du denn eure kleine Änderungsschneiderei schon?

 

Das ist ein Familienbetrieb, es gibt ihn schon lange, über 30 Jahre. 2011 hab ich die Werkstatt dann von meinen Eltern übernommen.

 

Deine Eltern und Du könnt also über  eine lange Zeit beurteilen, auch wie sich das Verhältnis von uns allen zum Reparieren geändert hat?

 

Allerdings. Als ein Beispiel: Es war ja noch vor 50 Jahren üblich, Feinstrumpfhosen über Nacht flicken zu lassen. Schon deswegen, weil sie ja so kostbar waren und viele Frauen nur eine einzige davon hatten.

Es gibt immer noch ältere Damen, die Feinstrumpfhosen bringen, aber ich reparier die aus hygienischen Gründen nicht mehr. Meine Eltern haben das früher aber noch viel gemacht.

 

Was ist denn das Teil, das am häufigsten zur Reparatur gebracht wird?

 

Gaaanz klassich: Hosen zum Flicken. Ganz oft auch im Schritt. Denn hier in München gibt es ja viele Radler und Radlerinnen, da gehen die Hosen oft dort kaputt.

 

 

Ich hab mal eine Hose zu euch gebracht, ich glaube, es war zu Deinem Vater. Die war gar nicht kaputt, ich hab mir prophylaktisch schon mal einen Stoff reinnähen lassen, einfach, damit sie mir länger hält. Ich radel ja 365 Tage im Jahr und das merke ich an der fehlenden Haltbarkeit meiner Hosen leider sehr. Bringt das was? Also ein „Im-Voraus-Reparieren“?

 

Doch, das bringt auf jeden Fall etwas, es wird definitiv länger dauern, bis diese Hose kaputt geht. Allerdings wird dann der erste Riss vermutlich direkt daneben entstehen.

 

Katrin und ich, wir kaufen ein Jahr lang nichts zum Anziehen und haben uns auch die ganze Bekleidungsindustrie und unser eigenes Konsumverhalten mal genauer angeschaut. Studien sagen, im Alter von 13 bis 18 Jahren bringt wohl gar niemand seine Sachen zum Reparieren. Deckt sich das mit Deiner Erfahrung?

 

Oh ja, das stimmt. Diese Altersklasse bringt weder Schuhe noch Klamotten, da bekomme ich auch nichts von den Eltern mitbebracht. Das beginnt erst wieder so ca. mit 25. Und dann eher die teureren Stücke. Bei günstigen Sachen reparier ich höchstens mal sehr selten einen Reißverschluss oder ich kürze.

 

Und wie ist das bei Dir selbst?

 

Ich hab ja das Glück und kann meine Kleidung und Taschen selbst reparieren. Und Schuhe bring ich regelmäßig zum Schuster.

 

Weil auch hier die Zahlen erschreckend sind: Im Durchschnitt wird jedes Paar Schuhe bereits nach 3 Jahren weggeworfen. Wie schätzt Du insgesamt die Entwicklung der Qualität von Kleidungsstücken ein? Du kannst es ja tagtäglich beurteilen.

 

Hier bemerke ich eine starke Verschlechterung der Qualität, bei den Stücken meiner Kunden, aber auch bei meiner eigenen Kleidung, denn ich hab viele alte Sachen noch. Noch vor 15 bis 20 Jahren haben auch bei günstigerer Kleidung die Nähte, die Knöpfe und Gummis gehalten, jetzt lässt doch die Passform oft schon nach zwei- bis dreimal Waschen nach, die Farben bleichen aus und die Nähte sind sofort offen. Solche Teile kann man dann logischerweise auch gar nicht mehr reparieren, da ist einfach nichts zu machen. Aber es ist ja klar, alle Produzenten wollen ja gleich wieder neue Sachen verkaufen. Die Trends wechseln ja auch total schnell.

 

Fühlst Du Dich mit Deinem Gewerbe, das ja maßgeblich zu einem bewussteren Konsum beiträgt und so einen Umweltschutzbeitrag leistet, von der Politik entsprechend unterstützt?

 

??? Hier blicken wir in ein fragendes Gesicht :-D

 

Wir fragen, weil es z.B. in Schweden hier eine entsprechende Entlastung bei der Mehrwertsteuer gibt, bei Reparaturleistungen und anderen „nachhaltigen“ Dienstleistungen wie z.B. im Bereich Elektronik.

 

Aber natürlich, das wäre eine Hilfe an der richtigen Stelle, dann wäre es auch in München, mit seinen hohen Kosten, nicht so schwierig, das Geschäft irgendwie am Laufen zu halten.

 

Ich danke Dir sehr für das Gespräch und bis zu meiner nächsten kaputten Hose ;-)

 

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